btop ist ein moderner Resource-Monitor für das Terminal — eine schicke, voll interaktive TUI-Alternative zu top und htop. Er zeigt CPU, Memory, Disk-IO, Netzwerk, GPU und Prozesse in einer einzigen Oberfläche, lässt sich komplett mit der Maus bedienen und bringt ein eigenes Theme-System mit. Technisch ist btop eine C++-Reimplementierung der älteren Projekte bashtop (Bash) und bpytop (Python) — schneller, leichter zu installieren und mit mehr Features.

Was btop macht

btop ist ein Resource-Monitor, der alle wichtigen System-Statistiken in einer einzigen Terminal-Oberfläche bündelt. Wo top nur Prozesse und ein paar CPU-/Memory-Zahlen liefert und htop immerhin eine schöne Prozessliste mit CPU-Bars zeigt, geht btop einen Schritt weiter: Er stellt CPU, Memory, Disk-IO, Netzwerk-Traffic, GPU-Auslastung und die Prozessliste gleichzeitig in vier Boxen dar — alle in Echtzeit, mit Verlaufs-Graphen, klickbaren Elementen und einem ausgereiften Theme-System.

Historisch ist btop die dritte Generation derselben Idee: Begonnen hat das Projekt als bashtop, geschrieben in reinem Bash. Wegen Performance-Problemen folgte bpytop in Python. Die heutige Version ist als btop in C++ neu geschrieben — deutlich schneller, ohne Python- oder Bash-Abhängigkeiten und mit zusätzlichen Features wie nativem GPU-Support.

Installation

btop ist auf modernen Distributionen direkt aus den Paketquellen verfügbar. Auf älteren Systemen lohnt sich der Griff zum GitHub-Release oder Snap.

DistributionBefehl
Ubuntu 22.04+ / Debian 12+sudo apt install btop
Fedora / RHEL 9+sudo dnf install btop
Arch Linux / Manjarosudo pacman -S btop
openSUSEsudo zypper install btop
Alpinesudo apk add btop
macOSbrew install btop
Bash Installation unter Ubuntu/Debian
sudo apt update
sudo apt install btop

Auf älteren Distributionen (z.B. Ubuntu 20.04) liegt btop entweder gar nicht oder nur in einer veralteten Version vor. Dann hilft der Snap oder das aktuelle Release direkt von GitHub:

Bash Alternative: Snap oder GitHub-Release
# Snap
sudo snap install btop

# GitHub-Release (precompiled, statisch gelinkt)
# https://github.com/aristocratos/btop/releases

btop vs. htop vs. top

Alle drei Werkzeuge zeigen Prozesse, aber sie spielen in verschiedenen Ligen. Die folgende Übersicht macht die Unterschiede sichtbar:

Merkmaltophtopbtop
Footprintsehr kleinkleingrößer (TUI-Rendering)
CPU-Verbrauchminimalgeringspürbar höher
Maus-Bedienungneinteilweisevollständig
GPU-Statsneinneinja (NVIDIA, AMD, Intel)
Disk-IOneinneinja
Netzwerk-Statsneinneinja
Verlaufs-Graphenneinrudimentärja, animiert
Theme-Systemneinbegrenzte Farbenumfangreich, externe Themes
Konfig-Formatkeine Dateihtoprcbtop.conf
Vorinstalliertpraktisch immeroftselten

Faustregel: top für minimale Server und Skripte, htop als ausgewogener Allrounder, btop für die Workstation oder wenn du GPU- und IO-Stats brauchst.

Bedienung

btop ist sowohl per Tastatur als auch per Maus bedienbar — alle Boxen, Header und Prozesseinträge sind klickbar. Die wichtigsten Tastenkürzel:

TasteAktion
Pfeil hoch / runterProzess in der Liste auswählen
PgUp / PgDnSeitenweise scrollen
Home / EndAn den Anfang / das Ende springen
+ / -Tree-Knoten auf- / zuklappen
eTree-Ansicht ein- / ausschalten
fFilter setzen (Live-Suche im Prozessnamen)
/Suche starten
MNach Memory-Verbrauch sortieren
PNach CPU-Verbrauch sortieren
UNach User sortieren
TNach laufender Zeit sortieren
EnterProzess-Details anzeigen
tSignal an Prozess senden (z.B. SIGTERM)
kProzess killen (SIGKILL)
Esc / qMenü schliessen / btop beenden

Über die nummerischen Tabs am oberen Rand kannst du zwischen verschiedenen Preset-Layouts wechseln — zum Beispiel zwischen einer kompakten und einer ausführlichen CPU-Ansicht.

Konfiguration

btop legt seine Konfiguration nach dem ersten Start unter ~/.config/btop/ an:

PfadInhalt
~/.config/btop/btop.confHauptkonfiguration (Theme, Update-Rate, Layout)
~/.config/btop/themes/Eigene und nachgeladene Themes
/usr/share/btop/themes/Out-of-the-box mitgelieferte Themes

Die Konfigurationsdatei ist eine schlichte Key-Value-Datei und gut kommentiert. Die wichtigsten Optionen:

Bash ~/.config/btop/btop.conf (Auszug)
# Aktuelles Theme (Dateiname ohne Endung)
color_theme = "Default"

# Update-Intervall in Millisekunden (Default: 2000)
update_ms = 1500

# Prozess-Sortierung beim Start
proc_sorting = "cpu lazy"

# Tree-Ansicht standardmäßig aktiv
proc_tree = False

# Temperaturen anzeigen
check_temp = True

Themes lassen sich auch zur Laufzeit über das Optionen-Menü (o oder Klick auf das Zahnrad) durchblättern und ausprobieren — die Auswahl wird automatisch in btop.conf persistiert.

Praxis-Patterns

Standard-Aufruf

Bash btop starten
btop

Ohne Argumente startet btop mit dem zuletzt gespeicherten Theme und Layout. Beim allerersten Start wird das Konfigverzeichnis automatisch angelegt.

TTY-Modus für Konsolen ohne X-Server

Bash Reduzierter Farbraum für TTY
btop --tty_on

Wenn du dich in eine reine Konsole (Strg+Alt+F2 unter Linux) eingeloggt hast, fehlt der erweiterte Farbraum. Mit --tty_on schaltet btop in einen Modus mit reduzierter Farbpalette und einfacheren Box-Zeichen, der auch ohne grafische Umgebung lesbar bleibt. Alternativ gibt es das Theme „TTY” für denselben Effekt.

Eingebaute Layout-Presets

Bash Mit Preset 0 starten
btop --preset 0

btop bringt mehrere fertige Layout-Presets mit (0 bis 4). Damit kannst du gezielt mit einer bestimmten Box-Anordnung starten — zum Beispiel nur CPU und Prozessliste, ohne Netzwerk und Disk. Die Presets sind dieselben, die du im Tool über die Zahlentasten erreichst.

GPU-Statistiken

btop zeigt NVIDIA-, AMD- und Intel-GPUs out-of-the-box, sofern die jeweiligen Tools installiert sind:

  • NVIDIA: nvidia-smi aus dem proprietären Treiber
  • AMD: rocm-smi oder Sysfs-Daten unter /sys/class/drm/
  • Intel: intel_gpu_top aus dem Paket intel-gpu-tools

Im laufenden btop kannst du die GPU-Box mit 5 ein- und ausschalten. Sind keine GPU-Tools installiert, fehlt die Box stillschweigend.

Prozesse live filtern

Mit f öffnest du das Filter-Eingabefeld und tippst einen String — die Prozessliste reduziert sich live auf passende Einträge. Praktisch, wenn du in hunderten Prozessen einen bestimmten Dienst suchst:

Bash Im laufenden btop
f
nginx

Mit Esc löschst du den Filter wieder.

Output in Datei? Nicht vorgesehen

btop ist eine rein interaktive TUI — es gibt keinen Batch- oder Logging-Modus wie bei top -bn1. Wer Snapshots fürs Logging oder für ein Skript braucht, sollte stattdessen top -bn1 oder ps aux verwenden. btop ist für die menschliche Beobachtung gedacht, nicht fürs Scripting.

Besonderheiten

btop ist hübsch — und hungrig

Im Vergleich zu top und htop ist btop spürbar CPU-hungriger. Das schicke Rendering mit Verlaufs-Graphen und Animationen kostet Rechenzeit, die auf einem schwachen Server oder einer Embedded-Box durchaus auffällt. Auf einem Raspberry Pi oder einer alten VM solltest du eher zu htop greifen. Auf einer modernen Workstation fällt der Mehrverbrauch dagegen kaum ins Gewicht.

GPU-Support nur mit installierten Vendor-Tools

btop liest GPU-Daten nicht selbst aus dem Kernel, sondern delegiert das an die jeweiligen Hersteller-Werkzeuge. Ohne nvidia-smi, rocm-smi oder intel_gpu_top bleibt die GPU-Box leer — auch wenn die Hardware vorhanden ist. Auf vielen Servern und Cloud-VMs sind diese Tools nicht installiert; dort hilft auch btop nicht weiter.

Distro-Pakete sind oft veraltet

Gerade bei langsam veröffentlichenden Distributionen wie Debian Stable oder Ubuntu LTS ist die btop-Version in den Paketquellen häufig deutlich hinter dem aktuellen Stand. Wenn dir wichtige Features fehlen oder GPU-Support sich seltsam verhält, lohnt sich ein Blick auf das GitHub-Release (statisch gelinkte Binaries für mehrere Architekturen) oder die Snap-Version.

bashtop und bpytop sind deprecated

btop ersetzt offiziell die beiden Vorgängerprojekte: bashtop (reines Bash, sehr langsam) und bpytop (Python, deutlich schneller, aber mit Python-Abhängigkeiten). Beide werden vom selben Autor (Aristocratos) nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Wer auf alten Systemen noch bpytop installiert hat, sollte auf btop migrieren — gleiche Bedienung, deutlich besser maintained.

cgroups und Container-Limits

Auf Systemen mit Containern oder systemd-Slices zeigt btop in der Prozess-Detailansicht auch die cgroups-Zugehörigkeit eines Prozesses. Damit lässt sich auf einen Blick erkennen, ob ein Prozess in einem Docker-Container läuft, zu welchem systemd-Service er gehört und welche Resource-Limits gelten — eine Information, die top schlicht nicht hat.

In TTY ohne X — Theme oder Schalter

Auf einer reinen Konsole (ohne grafische Oberfläche) hat das Terminal nur einen begrenzten Farbraum. Damit btop trotzdem lesbar bleibt, gibt es zwei Wege: den Aufruf mit --tty_on, der intern auf reduzierte Farben und einfache Box-Zeichen umstellt, oder das mitgelieferte Theme „TTY”. Beide führen zu einem ähnlichen Ergebnis und sind essenziell, wenn du auf einem Server ohne X-Server Resource-Monitoring brauchst.

Weiterführende Ressourcen

Externe Quellen

/ Weiter

Zurück zu Prozesse & Jobs

Zur Übersicht