Das VoIP (Voice over IP) ist die Sammelbezeichnung für Verfahren, mit denen Sprachgespräche über IP-Netzwerke übertragen werden — anstelle der klassischen leitungsvermittelten Telefonie. Stimme wird digitalisiert, in Pakete zerlegt, übers Netz gesendet und beim Empfänger wieder zu hörbarem Audio zusammengesetzt.
VoIP hat die klassische Festnetztelefonie weitgehend abgelöst. Auch dort, wo der Anschluss noch wie ein Telefonanschluss aussieht, läuft im Hintergrund meist VoIP über die Infrastruktur des Providers.
Beteiligte Protokolle
VoIP zerfällt in zwei Aufgabenbereiche, für die unterschiedliche Protokolle zuständig sind:
- Signalisierung — Verbindungen aufbauen, halten und beenden, Klingelzeichen, Nummernwahl, Konferenzschaltung. Üblich: SIP (Session Initiation Protocol), seltener H.323.
- Medienübertragung — der eigentliche Audio-Strom. Üblich: RTP (Real-time Transport Protocol), meist über UDP, für Verschlüsselung SRTP.
Die Trennung erlaubt, Steuer- und Medienpfade unabhängig zu führen — z. B. die Signalisierung über einen zentralen Server, den Medienstrom direkt zwischen den Endgeräten.
Warum UDP statt TCP?
Sprache ist latenzkritisch: lieber ein kurzer Aussetzer als ein verzögertes, nachgeliefertes Signal. Deshalb läuft die Audio-Übertragung über UDP, das keine Wiederholung verlorener Pakete erzwingt. Verlorene Pakete werden vom Empfänger durch Stille oder Fehlerkorrektur kaschiert.
Codecs
Die Audio-Daten werden über Codecs kodiert. Verbreitet sind:
- G.711 — unkomprimiert, sehr gute Qualität, ca. 64 kbit/s.
- G.722 — Breitband-Telefonie für klareren Klang.
- Opus — moderner, anpassungsfähiger Codec, breit eingesetzt in Browser-Telefonie und Konferenzsoftware.
Praxisrelevante Punkte
VoIP bringt einige typische Stolperfallen mit:
- NAT und Firewalls erschweren den direkten Aufbau von Medienströmen — Hilfsprotokolle wie STUN, TURN und ICE lösen das.
- Quality of Service (QoS) im Netz priorisiert Sprachpakete, damit Bandbreitenstöße den Klang nicht beeinträchtigen.
- Notrufe funktionieren bei VoIP nur, wenn Standortinformationen separat hinterlegt sind — ein Aspekt, der regulatorisch eigene Aufmerksamkeit verlangt.