/ Kapitel

Verzeichnisstruktur

Die Linux-Verzeichnisstruktur nach FHS — Aufbau und Aufgabe jedes Top-Level-Ordners, von /bin bis /var.

Linux folgt dem Filesystem Hierarchy Standard (FHS) — einem einheitlichen Baum, der bei / (dem Wurzelverzeichnis) beginnt und sich in Top-Level-Ordner mit jeweils klar abgegrenzter Aufgabe verzweigt. Anders als bei Windows gibt es keine Laufwerksbuchstaben: Alles, inklusive Wechselmedien und virtueller Pseudodateien, hängt in diesem einen Baum.

Aufbau im Überblick

Das Dateisystem beginnt am Wurzelverzeichnis / und enthält darunter eine feste Menge an Top-Level-Ordnern. Jeder Ordner hat genau eine Rolle — z. B. Binaries (/bin), Konfiguration (/etc), Benutzerdaten (/home), variable Laufzeitdaten (/var). Dadurch bleibt das System über Distributionen hinweg vorhersehbar: Ein systemd-Service sucht Konfiguration in /etc/systemd/, ganz gleich ob Ubuntu, Debian oder Fedora.

Merging nach /usr

Auf modernen Distributionen (Ubuntu ≥ 20.04, Debian ≥ 12, Fedora seit Jahren) sind /bin, /sbin und /lib symbolische Verknüpfungen auf /usr/bin, /usr/sbin bzw. /usr/lib. Dieses Usr-Merge vereinfacht Snapshots, Boot-Recovery-Pfade und atomare Updates. Inhaltlich bleibt die Aufgabe dieser Pfade identisch — nur die Speicherstelle ist konsolidiert.

Bash Typische Symlinks prüfen
ls -la / | grep -E 'bin|sbin|lib'
# bin -> usr/bin
# lib -> usr/lib
# sbin -> usr/sbin

Virtuelle vs. persistente Verzeichnisse

Drei Verzeichnisse sind keine echten Daten auf der Festplatte, sondern virtuelle Dateisysteme, die der Kernel zur Laufzeit bereitstellt:

  • /proc — Schnittstelle zu Prozessen und Kernelzuständen
  • /sys — Schnittstelle zu Hardware, Treibern, Kernel-Parametern
  • /run — Laufzeitdaten (PID-Files, Sockets) — seit Kernel 2.6 Standard

Nach einem Reboot sind diese Inhalte komplett neu. Persistente Nutzdaten landen dagegen in /home, /var oder unterhalb von /usr.