Erwartungswert
E(X) = Σ xᵢ · P(xᵢ) — mit Wahrscheinlichkeiten gewichtetes Mittel der möglichen Werte einer diskreten Zufallsvariablen.
Erwartungswert berechnen
E(X) = Σ xᵢ · P(xᵢ) — mit Wahrscheinlichkeiten gewichtetes Mittel der möglichen Werte einer diskreten Zufallsvariablen.
Was ist der Erwartungswert?
Der Erwartungswert E(X) einer diskreten Zufallsvariablen X ist das mit den Eintrittswahrscheinlichkeiten gewichtete Mittel ihrer möglichen Ausgänge. Anschaulich: würde man das Zufallsexperiment unendlich oft wiederholen, läge der Mittelwert der Ergebnisse beim Erwartungswert (Gesetz der großen Zahlen).
E(X) ist kein „typisches" Ergebnis im Sinne eines tatsächlichen Ausgangs — er kann sogar ein Wert sein, den X nie annimmt (z. B. 3,5 beim Würfel).
Bei einem fairen Spiel ist E(Gewinn) = 0. Bei realen Glücksspielen ist er stets negativ — das ist der „Hausvorteil".
Die Formel
E(X) = Σᵢ xᵢ · P(xᵢ)
= x₁ · P(x₁) + x₂ · P(x₂) + … + xₙ · P(xₙ)Bedingung: ΣP(xᵢ) = 1.
Die Variablen
| Symbol | Bedeutung | Einheit | Erklärung |
|---|---|---|---|
| xᵢ | Mögliche Werte | beliebig | Ausgänge der Zufallsvariablen X. |
| P(xᵢ) | Wahrscheinl. | — | Eintrittswahrscheinlichkeit; Σ = 1. |
| E(X) | Erwartungswert | wie xᵢ | Gewichtetes Mittel der Werte. |
Minimal-Beispiel
Fairer Würfel:
Werte: 1 2 3 4 5 6
P(xᵢ) (alle): 1/6 1/6 1/6 1/6 1/6 1/6
E(X) = (1+2+3+4+5+6) / 6
= 21 / 6
= 3,5Praxis-Beispiele
Beispiel 1 — Roulette (einfache Chance „Rot")
Beim Roulette mit 37 Feldern (0..36) gibt es 18 rote Felder. Einsatz 10 €, Gewinn bei Rot: +10 €, sonst −10 €.
P(Rot) = 18/37
P(nicht Rot)= 19/37
E(Gewinn) = +10 · 18/37 + (−10) · 19/37
= 180/37 − 190/37
= −10/37 ≈ −0,27 €
⇒ Im Schnitt verliert der Spieler ≈ 27 Cent pro 10 €-Einsatz.Beispiel 2 — Lotterie-Los
Ein Los kostet 5 €. Mit Wahrscheinlichkeit 0,001 gewinnt es 1.000 €, mit 0,01 gewinnt es 50 €, sonst nichts.
E(Auszahlung) = 1000 · 0,001 + 50 · 0,01 + 0 · 0,989
= 1 + 0,50
= 1,50 €
E(Reingewinn) = 1,50 − 5,00 = −3,50 €
⇒ pro Los verliert der Spieler im Mittel 3,50 €.Beispiel 3 — Versicherung kalkuliert die Prämie
Eine Versicherung zahlt bei einem Schaden 5.000 € aus, Schadenwahrscheinlichkeit p = 0,02. Welche Mindestprämie pro Jahr braucht sie?
E(Auszahlung) = 5.000 · 0,02 + 0 · 0,98
= 100 €
Faire Prämie: 100 € pro Jahr (zzgl. Kosten, Risikozuschlag).Beispiel 4 — Klausur mit Minuspunkten
Pro richtige Antwort gibt es +2 Punkte, pro falsche −1, Auslassen 0. Trefferwahrscheinlichkeit per Raten 0,25.
Raten: E = +2 · 0,25 + (−1) · 0,75
= 0,50 − 0,75
= −0,25 Punkte
⇒ Raten hat negativen Erwartungswert. Auslassen ist
bei reinem Raten besser.Beispiel 5 — Erwartungswert der Binomialverteilung
X ~ Bin(n; p). Hier: n = 100 Münzwürfe.
E(X) = n · p = 100 · 0,5 = 50
⇒ Im Mittel 50 Köpfe in 100 Würfen.