Skineffekt (Eindringtiefe)
Eindringtiefe des Wechselstroms in einen Leiter: δ = √(2 · ρ / (ω · μ₀)). Beschreibt, wie tief das Feld bei hoher Frequenz noch eindringt.
Skineffekt (Eindringtiefe) berechnen
Eindringtiefe des Wechselstroms in einen Leiter: δ = √(2 · ρ / (ω · μ₀)). Beschreibt, wie tief das Feld bei hoher Frequenz noch eindringt.
- delta — Eindringtiefe
- rho — Spezifischer Widerstand
- omega — Kreisfrequenz
Was ist der Skineffekt?
Wechselstrom verteilt sich nicht gleichmäßig über den Leiterquerschnitt, sondern drängt mit steigender Frequenz immer mehr zur Leiteroberfläche — der Skineffekt. Die Tiefe, bei der die Stromdichte auf 1/e ≈ 36,8 % gefallen ist, heißt Eindringtiefe δ.
Konsequenz: Bei Hochfrequenz wirken nur dünne Randschichten leitend, der innere Querschnitt liegt brach. Daher Litze, versilberte Drähte und Hohlleiter in der HF-Technik.
Die Formel
δ = √(2 · ρ / (ω · μ₀))
Umstellungen:
ρ = δ² · ω · μ₀ / 2
ω = 2 · ρ / (δ² · μ₀)
ω = 2π · f
μ₀ = 4π · 10⁻⁷ H/mAnnahme: nicht-ferromagnetisches Material (μᵣ = 1). Für Eisen muss μ₀ durch μ₀ · μᵣ ersetzt werden — dort wird δ deutlich kleiner.
Die Variablen
| Symbol | Bedeutung | Einheit | Erklärung |
|---|---|---|---|
| δ | Eindringtiefe | m | Tiefe, in der die Stromdichte auf 1/e fällt. |
| ρ | Spezifischer Widerstand | Ω·m | Materialeigenschaft des Leiters. |
| ω | Kreisfrequenz | rad/s | ω = 2π · f. |
Minimal-Beispiel
Kupfer (ρ = 1,68 · 10⁻⁸ Ω·m), f = 50 Hz → ω = 314 rad/s:
δ = √(2 · 1,68 · 10⁻⁸ / (314 · 1,257 · 10⁻⁶))
= √(3,36 · 10⁻⁸ / 3,95 · 10⁻⁴)
= √(8,51 · 10⁻⁵)
≈ 9,22 · 10⁻³ m
≈ 9,22 mmBei Netzfrequenz also fast 1 cm — bei 50 Hz spielt der Skineffekt für Hausinstallationen praktisch keine Rolle.
Praxis-Beispiele
Beispiel 1 — Kupfer bei 1 MHz
ρ = 1,68 · 10⁻⁸ Ω·m, f = 10⁶ Hz → ω ≈ 6,28 · 10⁶ rad/s:
δ = √(2 · 1,68 · 10⁻⁸ / (6,28 · 10⁶ · 1,257 · 10⁻⁶))
= √(3,36 · 10⁻⁸ / 7,89)
= √(4,26 · 10⁻⁹)
≈ 6,52 · 10⁻⁵ m
≈ 65 μmBereits dünner als ein Menschenhaar — HF-Litze ist Pflicht.
Beispiel 2 — Aluminium bei 100 kHz
ρ_Al ≈ 2,82 · 10⁻⁸ Ω·m, f = 10⁵ Hz → ω = 6,28 · 10⁵ rad/s:
δ = √(2 · 2,82 · 10⁻⁸ / (6,28 · 10⁵ · 1,257 · 10⁻⁶))
= √(5,64 · 10⁻⁸ / 0,789)
= √(7,15 · 10⁻⁸)
≈ 2,67 · 10⁻⁴ m
≈ 0,27 mmBeispiel 3 — Silber bei 1 GHz
ρ_Ag ≈ 1,59 · 10⁻⁸ Ω·m, ω = 6,28 · 10⁹ rad/s:
δ = √(2 · 1,59 · 10⁻⁸ / (6,28 · 10⁹ · 1,257 · 10⁻⁶))
= √(3,18 · 10⁻⁸ / 7.893)
= √(4,03 · 10⁻¹²)
≈ 2 · 10⁻⁶ m
≈ 2 μmBei GHz reicht eine dünne Versilberung — der Strom „sieht" nur 2 μm Silber.
Beispiel 4 — Frequenz aus gewünschter Eindringtiefe
Welche Frequenz lässt in Kupfer δ = 1 mm zu?
ω = 2 · ρ / (δ² · μ₀)
= 2 · 1,68 · 10⁻⁸ / (10⁻⁶ · 1,257 · 10⁻⁶)
= 3,36 · 10⁻⁸ / 1,257 · 10⁻¹²
≈ 2,673 · 10⁴ rad/s
f = ω / (2π)
≈ 4.255 HzBeispiel 5 — Spezifischer Widerstand aus δ-Messung
In einem Metall wird bei f = 60 kHz (ω ≈ 3,77 · 10⁵ rad/s) δ = 0,3 mm gemessen.
ρ = δ² · ω · μ₀ / 2
= (3 · 10⁻⁴)² · 3,77 · 10⁵ · 1,257 · 10⁻⁶ / 2
= 9 · 10⁻⁸ · 3,77 · 10⁵ · 1,257 · 10⁻⁶ / 2
≈ 2,13 · 10⁻⁸ Ω·mLiegt nahe an Aluminium (2,82 · 10⁻⁸) — wahrscheinlich eine Aluminiumlegierung.