Photonenimpuls
Impuls eines Lichtquants: p = h / λ. Trotz fehlender Ruhemasse trägt jedes Photon einen Impuls — Grundlage von Strahlungsdruck und Compton-Streuung.
Photonenimpuls berechnen
Impuls eines Lichtquants: p = h / λ. Trotz fehlender Ruhemasse trägt jedes Photon einen Impuls — Grundlage von Strahlungsdruck und Compton-Streuung.
- p — Impuls
- lambda — Wellenlänge
Was ist der Photonenimpuls?
Obwohl Photonen keine Ruhemasse besitzen, tragen sie einen messbaren Impuls:
p = h / λ = E / c
Das ist die Grundlage des Strahlungsdrucks, der Compton-Streuung und moderner Konzepte wie Sonnensegel oder optischer Pinzetten. Je kürzer die Wellenlänge, desto höher der Impuls — Röntgen- und Gammaphotonen können einzelne Elektronen merklich anstoßen.
Die Formel
p = h / λ
Umstellung:
λ = h / p
Äquivalent (mit E = h · c / λ):
p = E / c
h = 6,62607015·10⁻³⁴ J·s
c = 299 792 458 m/sDie Variablen
| Symbol | Bedeutung | Einheit | Erklärung |
|---|---|---|---|
| p | Impuls | kg·m/s | Impuls eines einzelnen Photons. |
| λ | Wellenlänge | m | Wellenlänge der elektromagnetischen Welle. |
Minimal-Beispiel
Sichtbares Photon bei λ = 500 nm:
p = h / λ
= 6,626·10⁻³⁴ / 5,00·10⁻⁷
≈ 1,325·10⁻²⁷ kg·m/sVerschwindend klein — aber bei Photonenraten von 10¹⁸/s wird daraus messbarer Strahlungsdruck.
Praxis-Beispiele
Beispiel 1 — Strahlungsdruck der Sonne auf ein Sonnensegel
Sonnenstrahlung liefert auf der Erdbahn etwa S = 1361 W/m². Welcher Druck wirkt auf eine vollständig absorbierende Fläche?
p_rad = S / c
= 1361 / 2,998·10⁸
≈ 4,54·10⁻⁶ Pa
≈ 4,5 µPaAuf 1000 m² Segel ergibt das ca. 4,5 mN Schub — wenig, aber kontinuierlich, was Sonnensegel über Monate hinweg erheblich beschleunigt.
Beispiel 2 — Compton-Effekt
Ein Röntgenphoton mit λ = 0,071 nm stößt auf ein ruhendes Elektron. Welchen Impuls bringt es mit?
p = 6,626·10⁻³⁴ / 7,1·10⁻¹¹
≈ 9,33·10⁻²⁴ kg·m/sVergleich mit dem klassischen Elektronenimpuls: schon ein einzelnes Röntgenphoton beschleunigt das Elektron auf etwa 10⁷ m/s — daher die deutlich messbare Wellenlängenverschiebung des gestreuten Photons.
Beispiel 3 — Wellenlänge zu vorgegebenem Impuls
Welches Photon hat denselben Impuls wie ein 1-eV-Elektron (p ≈ 5,40·10⁻²⁵ kg·m/s)?
λ = h / p
= 6,626·10⁻³⁴ / 5,40·10⁻²⁵
≈ 1,227·10⁻⁹ m
≈ 1,23 nm (weiches Röntgen)Spannend: Bei gleichem Impuls hat das Photon ungefähr 1000-mal mehr Energie als das Elektron — Folge der völlig unterschiedlichen E-p-Relation.
Beispiel 4 — Optische Pinzette
Eine Laser-Pinzette mit P = 100 mW bei λ = 1064 nm hält ein Mikropartikel fest. Welcher Impulsstrom transportiert der Laserstrahl?
E_ph = h · c / λ
≈ 1,87·10⁻¹⁹ J
N/t = P / E_ph
= 0,100 / 1,87·10⁻¹⁹
≈ 5,35·10¹⁷ Photonen/s
F = N/t · p_ph
= 5,35·10¹⁷ · 6,23·10⁻²⁸
≈ 3,33·10⁻¹⁰ N
≈ 0,33 nNDiese Sub-Nanonewton-Kraft reicht, um Bakterien oder einzelne Zellen kontaktlos zu halten und zu bewegen.
Beispiel 5 — Lichtmühle versus Crookes-Radiometer
Eine Crookes-Mühle dreht sich tatsächlich nicht durch Strahlungsdruck (zu schwach), sondern durch Restgas. Wie groß wäre der theoretische Effekt einer 100-W-Glühbirne (Wirkungsgrad ca. 5 %) auf ein 1 cm² großes Flügelblättchen in 50 cm Entfernung?
P_opt = 100 · 0,05 = 5 W
I = P_opt / (4π · r²)
= 5 / (4π · 0,25)
≈ 1,59 W/m²
F = 2 · I · A / c (perfekt reflektierende Folie)
= 2 · 1,59 · 1·10⁻⁴ / 2,998·10⁸
≈ 1,06·10⁻¹² NEtwa ein Pikonewton — viel zu wenig, um gegen Lagerreibung anzukommen. Die Crookes-Mühle dreht sich also nicht durch Strahlungsdruck, sondern durch thermische Restgas-Effekte.