Teleskop-Vergrößerung
Winkelvergrößerung eines astronomischen Teleskops: V = f_ob / f_ok. Großes Objektiv und kurzes Okular ergeben hohe Vergrößerung.
Teleskop-Vergrößerung berechnen
Winkelvergrößerung eines astronomischen Teleskops: V = f_ob / f_ok. Großes Objektiv und kurzes Okular ergeben hohe Vergrößerung.
- V — Vergrößerung
- fob — Brennweite Objektiv
- fok — Brennweite Okular
Was beschreibt die Teleskop-Vergrößerung?
Ein astronomisches Teleskop (Kepler) bildet unendlich weit entfernte Objekte erst in der Brennebene des Objektivs ab und betrachtet dieses Zwischenbild mit dem Okular wie durch eine Lupe. Die Winkelvergrößerung ist schlicht das Verhältnis der beiden Brennweiten:
V = f_ob / f_ok
Ein 1000-mm-Objektiv mit 25-mm-Okular liefert V = 40×. Höhere Vergrößerungen sind möglich, aber durch Öffnung und Luftunruhe (Seeing) praktisch begrenzt — Faustregel: max. V ≈ 2 · Öffnung [mm].
Die Formel
V = f_ob / f_ok
Umstellungen:
f_ob = V · f_ok
f_ok = f_ob / VGilt für afokale Beobachtung (Auge bei f_ok, Bild im Unendlichen). Für Galilei-Fernrohre mit konkaver Okularlinse wird f_ok negativ angesetzt, der Betrag bleibt jedoch gleich.
Die Variablen
| Symbol | Bedeutung | Einheit | Erklärung |
|---|---|---|---|
| V | Vergrößerung | - | Winkelvergrößerung des Teleskops. |
| f_ob | Brennweite Objektiv | m | Brennweite des Objektivs. |
| f_ok | Brennweite Okular | m | Brennweite des Okulars. |
Minimal-Beispiel
Einsteigerteleskop: f_ob = 0,90 m, f_ok = 0,025 m:
V = 0,90 / 0,025
= 36Genug, um Jupitermonde und Mondkrater bequem zu sehen.
Praxis-Beispiele
Beispiel 1 — Mondbeobachtung mit Refraktor
Ein 80/600-Refraktor (Öffnung 80 mm, f_ob = 600 mm) mit 10-mm-Okular:
V = 0,600 / 0,010
= 60Damit füllt der Mond rund das halbe Sichtfeld eines Plössl-Okulars aus.
Beispiel 2 — Welches Okular für 200× am 8-Zöller?
Schmidt-Cassegrain 8" mit f_ob = 2000 mm, gewünscht V = 200:
f_ok = f_ob / V
= 2,000 / 200
= 0,010 m
= 10 mmBei 200 mm Öffnung ist V ≈ 200× praktisch das obere Limit — höhere Werte zeigen keine zusätzlichen Details.
Beispiel 3 — Galilei-Fernrohr (frühes 17. Jh.)
Galileis Fernrohr hatte etwa f_ob = 980 mm und f_ok = −50 mm (Zerstreuungslinse):
V = |f_ob / f_ok|
= 0,980 / 0,050
≈ 20Reichte aus, um die vier hellen Jupitermonde und die Phasen der Venus zu entdecken.
Beispiel 4 — Theaterglas (modernes Galilei)
Opern- oder Theaterglas mit f_ob = 60 mm, f_ok = −20 mm:
V = 60 / 20
= 3Geringes V (2× – 4×) sorgt für ruhiges Bild aus freier Hand und großes Sichtfeld.
Beispiel 5 — Übersichtsokular zum Aufsuchen
An einem 1200-mm-Newton soll ein Übersichtsokular V = 24 ergeben:
f_ok = f_ob / V
= 1,200 / 24
= 0,050 m
= 50 mmEin 50-mm-Plössl liefert ein weites, helles Sichtfeld zum Aufsuchen offener Sternhaufen und Galaxien.