Gedämpfte Schwingung
Auslenkung einer gedämpften Schwingung: x(t) = A · e^(−δ · t) · sin(ω · t). Der Faktor e^(−δ · t) beschreibt den exponentiellen Amplituden-Abfall.
Gedämpfte Schwingung berechnen
Auslenkung einer gedämpften Schwingung: x(t) = A · e^(−δ · t) · sin(ω · t). Der Faktor e^(−δ · t) beschreibt den exponentiellen Amplituden-Abfall.
- x — Auslenkung
- A — Anfangsamplitude
Was ist eine gedämpfte Schwingung?
In jeder realen Schwingung gibt es Reibung — Luftwiderstand, innere Reibung im Material, ohmscher Widerstand im Schwingkreis. Die Amplitude nimmt dadurch exponentiell ab, der zeitliche Verlauf wird zum Produkt aus exponentieller Hüllkurve und Sinus:
x(t) = A · e^(−δ · t) · sin(ω · t)
Der Abklingkoeffizient δ (Einheit 1/s) bestimmt, wie schnell die Schwingung abklingt. Nach der Zeit τ = 1/δ ist die Amplitude auf den 1/e-Anteil (≈ 36,8 %) gefallen.
Die Formel
x(t) = A · e^(−δ · t) · sin(ω · t)
Aufgelöst:
x = A · e^(−δ · t) · sin(ω · t)
A = x / (e^(−δ · t) · sin(ω · t))Voraussetzung: schwache Dämpfung mit δ < ω, sonst geht das System in den aperiodischen Grenzfall oder Kriechfall über und schwingt gar nicht mehr.
Die Variablen
| Symbol | Bedeutung | Einheit | Erklärung |
|---|---|---|---|
| x | Auslenkung | m | Momentane Auslenkung zum Zeitpunkt t. |
| A | Anfangsamplitude | m | Amplitude bei t = 0 (vor Beginn der Dämpfung). |
| δ | Abklingkoeffizient | 1/s | Dämpfungskonstante; je größer, desto schneller klingt ab. |
| ω | Kreisfrequenz | rad/s | Kreisfrequenz der gedämpften Schwingung. |
| t | Zeit | s | Zeit seit Schwingungsbeginn. |
Minimal-Beispiel
A = 1 m, δ = 0,5 1/s, ω = 4 rad/s, t = 1 s:
x = 1 · e^(−0,5 · 1) · sin(4 · 1)
= 1 · 0,6065 · sin(4)
≈ 0,6065 · (−0,7568)
≈ −0,459 mPraxis-Beispiele
Beispiel 1 — Klavierseite klingt aus
Eine angeschlagene Klavierseite startet mit A = 2 mm bei f = 261,6 Hz (c¹) und hat einen Abklingkoeffizienten δ = 1,2 1/s. Auslenkung nach 2 s:
ω = 2π · 261,6 ≈ 1.643,7 rad/s
x = 0,002 · e^(−1,2 · 2) · sin(1.643,7 · 2)
≈ 0,002 · 0,0907 · sin(3.287,4)
≈ 0,002 · 0,0907 · 0,1568
≈ 2,8 · 10⁻⁵ mDie Hüllkurve ist nach 2 s auf gut 9 % gefallen — das passt zur Erfahrung, dass eine Klavierseite mehrere Sekunden hörbar bleibt.
Beispiel 2 — Stoßdämpfer im Auto
Ein Auto-Stoßdämpfer reagiert auf ein Schlagloch mit Anfangsamplitude A = 0,08 m, ω = 8 rad/s, δ = 2 1/s. Restauslenkung nach t = 0,4 s:
x = 0,08 · e^(−2 · 0,4) · sin(8 · 0,4)
= 0,08 · 0,4493 · sin(3,2)
≈ 0,08 · 0,4493 · (−0,0584)
≈ −0,0021 mNach 0,4 s ist die Karosserie auf etwa 2 mm Restschwankung gedämpft.
Beispiel 3 — Anfangsamplitude rückrechnen
Bei einer gedämpften Schwingung mit δ = 0,3 1/s und ω = 5 rad/s wurde bei t = 0,5 s eine Auslenkung x = 0,04 m gemessen. Wie groß war die Anfangsamplitude?
A = x / (e^(−δ · t) · sin(ω · t))
= 0,04 / (e^(−0,15) · sin(2,5))
= 0,04 / (0,8607 · 0,5985)
≈ 0,04 / 0,5151
≈ 0,0777 mBeispiel 4 — Schwingkreis mit ohmschem Widerstand
Ein realer LC-Schwingkreis mit Widerstand R verhält sich wie ein gedämpfter Oszillator. Mit A = 5 V, δ = 80 1/s und ω = 6.300 rad/s ergibt sich nach t = 5 ms:
x = 5 · e^(−80 · 0,005) · sin(6.300 · 0,005)
= 5 · e^(−0,4) · sin(31,5)
≈ 5 · 0,6703 · 0,2999
≈ 1,005 V