Stehende Welle — geschlossenes Rohr (Oberton)
n-te ungerade Harmonische eines einseitig geschlossenen Rohrs: fₙ = n · v / (4 · L) mit n = 1, 3, 5, … Gerade Harmonische sind unterdrückt.
Stehende Welle — geschlossenes Rohr (Oberton) berechnen
n-te ungerade Harmonische eines einseitig geschlossenen Rohrs: fₙ = n · v / (4 · L) mit n = 1, 3, 5, … Gerade Harmonische sind unterdrückt.
- fn — Frequenz n-ter Harmonischer
- n — Harmonische (ungerade)
- v — Schallgeschwindigkeit
- L — Rohrlänge
Warum nur ungerade Harmonische?
Im einseitig geschlossenen Rohr sitzen am geschlossenen Ende ein Druckbauch und am offenen ein Druckknoten. Damit diese Randbedingungen erfüllt sind, muss in das Rohr ein ungerades Vielfaches einer Viertelwellenlänge passen:
fₙ = n · v / (4 · L) mit n = 1, 3, 5, …
Gerade Vielfache (n = 2, 4, 6) sind physikalisch verboten — das prägt den charakteristischen Klang von Klarinette und gedackter Orgelpfeife: „hohl", „dunkel", weil die zweite Harmonische (Oktave) im Spektrum fehlt.
Die Formel
fn = n · v / (4 · L) mit n = 1, 3, 5, …
Umstellungen:
n = fn · 4 · L / v
v = fn · 4 · L / n
L = n · v / (4 · fn)n = 1 ist der Grundton, n = 3 die Duodezime (Oktave + Quinte) — der erste hörbare Oberton liegt also eine Quinte plus Oktave über dem Grundton, nicht „nur" eine Oktave.
Die Variablen
| Symbol | Bedeutung | Einheit | Erklärung |
|---|---|---|---|
| fn | Frequenz n-ter Harmonischer | Hz | Frequenz der ungeraden Harmonischen. |
| n | Harmonische (ungerade) | - | Nur 1, 3, 5, 7, … |
| v | Schallgeschwindigkeit | m/s | Schallgeschwindigkeit im Rohr. |
| L | Rohrlänge | m | Länge des Rohrs. |
Minimal-Beispiel
L = 1 m, v = 343 m/s, n = 3:
f₃ = 3 · 343 / (4 · 1)
= 1029 / 4
≈ 257,3 HzPraxis-Beispiele
Beispiel 1 — Klarinette überbläst
Beim Überblasen erreicht die Klarinette nicht die Oktave (wie eine Flöte), sondern die Duodezime. Welche Frequenz, wenn der Grundton 147 Hz ist (d)?
f₃ = 3 · 147 = 441 Hz (≈ a')Daher braucht die Klarinette unterhalb der „Registerlage" extra Klappenmechanik.
Beispiel 2 — Gedackte Pfeife spektral
Eine gedackte Pfeife mit Grundton 200 Hz hat welche ersten drei hörbaren Harmonischen?
f₁ = 1 · 200 = 200 Hz
f₃ = 3 · 200 = 600 Hz
f₅ = 5 · 200 = 1000 Hz
f₇ = 7 · 200 = 1400 HzIm Vergleich zu einer offenen Pfeife (200, 400, 600, 800, …) fehlt die 400-Hz-Linie — der typische „dunkle" Klangeindruck.
Beispiel 3 — Welche Harmonische klingt?
In einer 80 cm langen geschlossenen Pfeife wird f = 1.071 Hz gemessen. Welche Harmonische ist das?
n = fn · 4 · L / v
= 1071 · 3,2 / 343
≈ 10,0n = 10 wäre gerade — physikalisch unmöglich. Tatsächlich liegt der Wert nahe an der 9. (1.071 ≈ 9 · 343 / 3,2). Bei einer geschlossenen Pfeife wäre das die n = 9 Harmonische — ungerade, also gültig.
Beispiel 4 — Länge aus 5. Harmonische
Eine gedackte Pfeife klingt in ihrer 5. Harmonischen bei 850 Hz.
L = 5 · 343 / (4 · 850)
≈ 0,504 mBeispiel 5 — Saxophon näherungsweise
Ein zylindrisches Saxophon-Modell (in Wahrheit konisch, aber stark vereinfacht) der Länge 1,1 m. Erste drei ungerade Harmonische?
f₁ = 343 / (4 · 1,1) ≈ 78 Hz
f₃ = 3 · 343 / (4 · 1,1) ≈ 234 Hz
f₅ = 5 · 343 / (4 · 1,1) ≈ 390 HzEchte Saxophone klingen wegen der konischen Bohrung trotzdem mit vollem Obertonspektrum — das vereinfachte Modell stimmt nur tendenziell.